Open Source Gardens

"Wo Offenheit gesät wird und Freiheit geerntet!"

Über Open Source Seeds / Saatgut

Als "Open Source Seeds" oder "Open Source Saatgut" bezeichnen wir Saatgut, das allen Menschen als Allgemeingut unbeschränkt zur Verfügung steht.

Aber gehört Saatgut nicht sowieso allen?

Traditionell ist Saatgut tatsächlich ein "Gemeinschaftsgut" und das gilt auch heute noch für alle sogenannte "Alte Saatgut Sorten". Doch mit der zunehmenden Industriealisierung der Landwirtschaft im 20.Jahrhundert wurden aus diesen Alten Sorten heraus neue Sorten gezüchtet. Sorten die insbesondere den Bedingungen industrieller Landwirtschaft und dem Einsatz ihrer Hilfsmittel angepasst sind. 1961 wird obendrauf noch ein "Internationaler Verband zum Schutz von Pflanzenzüchtungen" gegründet, der es fortan ermöglicht alle neue Züchtungen als sogenanntes "Geistiges Eigentum" zu deklarieren und es unter sogenanntem "Sortenschutz" zu privatisieren.

Von der Allmende zur Monopolisierung

Schnell wird die Allmende immer weiter privatisiert. Agrar- und Chemiekonzerne gehen dabei Hand in Hand, Alte Sorten werden gekreuzt und deren Abkömmlinge - je nach rechtlichen Möglichkeiten - als Eigentum deklariert indem sie unter Sortenschutz gestellt oder ab den 80er Jahren sogar patentiert werden.

Durch immer weitere Aufkäufe und Monopolisierungen im Chemie- und Agrarsektor verengt sich der Markt immer weiter und inzwischen sind 60% des weltweiten Saatgutmarktes in den Händen von lediglich drei Chemiekonzernen: DuPont-Dow, ChemChina-Syngenta und Bayer-Monsanto(*). Die moderne Landwirtschaft und ihre Monokulturen sind bereits hochgradig von den Verfügbarkeiten und den Lieferungen dieser neuen hochgezüchteten Sorten abhängig. Und das alle Jahre wieder. Denn bei dem ausgelieferten Saatgut handelt es sich in dem allermeinsten Fällen um so genannte Hybrid-Sorten. Diese erwirtschaften zwar einen hohen Ertrag, können jedoch nur einjährig wachsen. Bäuer*innen müssen deshalb jedes Jahr aufs neue Saatgut kaufen und können daraus auch keine eigenen und ihrem eigenen Standort angepasste Sorten züchten.

Von der Monopolisierung zu Open Source

An dieser Problematik setzt Open Source Saatgut an: 2012 haben sich Pflanzenzüchter*innen, Farmer*innen und Saatgutfirmen zusammengetan und die Open Source Seed Initiative (OSSI) gegründet. Dafür haben Sie ein "Versprechen" entwickelt, dass allen Menschen dieser Erde ermöglicht, das versprochene Saatgut auf jede beliebige Art und Weise zu verwenden. Das aber im Gegenzug auch alle Anwender*innen verpflichtet "die Nutzung dieses Saatguts oder seiner Derivate durch andere Personen nicht durch Patente oder andere Mittel einzuschränken und dieses Versprechen bei jeder Übertragung dieses Saatguts oder seiner Derivate zu berücksichtigen." Insbesondere genießen alle Menschen vier Freiheiten, das Saatgut:

  1. Die Freiheit, das Saatgut zur Wiederauspflanzung oder für andere Zwecke aufzubewahren oder anzubauen.
  2. Die Freiheit, das Saatgut zu teilen, zu handeln oder an andere zu verkaufen.
  3. Die Freiheit, das Saatgut zu prüfen und zu studieren und Informationen darüber weiterzugeben oder zu veröffentlichen.
  4. Die Freiheit, das Saatgut auszuwählen oder anzupassen, mit ihm zu kreuzen oder es zur Züchtung neuer Linien und Sorten zu verwenden.

Diese Freiheiten werden vererbt. Das heißt, einmal als Open Source lizensiertes Saatgut ist für immer ein Gemeinschaftsgut, genauso wie alle daraus abstammenden Züchtungen. Einziges Manko: Leider ist dieses Versprechen mehr eine moralische Vereinbarung und rechtlich nicht zwingend bindend.

Vom Versprechen zur Lizenz

2016 wird von Agrecol e.V. deshalb eine "Open Source Saatgut Lizenz" entwickelt, die Züchter*innen fortan nutzen können um ihr Saatgut zu vergemeinschaften und um eine private Aneignung des Saatgutes durch Sortenschutz oder Patentierung zu verbieten. Diese Lizenz beruft sich auf das Bürgerliche Gesetzbuch und bietet allen Menschen drei Freiheiten:

  1. Alle dürfen das Saatgut nutzen.
  2. Niemand darf das Saatgut oder seine Weiterentwicklungen privatisieren.
  3. Zukünftigen Empfängern werden die gleichen Rechte und Pflichten übertragen.

Aus Punkt drei folgt wiederum, dass diese Freiheiten vererbt werden. Das heißt auch hier, dass ein einmal als Open Source lizensiertes Saatgut für immer ein Gemeinschaftsgut bleibt - genauso wie alle daraus abstammenden Züchtungen.

Um die Anwendung und Verbreitung dieser Open Source Saatut Lizenz weiter zu fördern wurde "Open Source Seeds" als Dienstleister gegründet. Open Source Seeds verkauft dabei selbst kein Saatgut. Vielmehr können Züchter*innen hier ihr Open Source Saatgut präsentieren und Gärtner*innen entsprechendes Saatgut finden und mit den Züchter*innen in Kontakt treten. Dazu gibt es eine Liste des bisher als Open Source veröffentlichten Saatgutes mit Kontaktadressen zu den zugehörigen Züchter*innen.

Von der Lizenz zum Gärtnern

2020 haben sich in Berlin ein paar Gärtner*innen zusammengefunden, die in ihrem Garten Open Source Saatgut pflanzen und damit die biologische Vielfalt und Unabhängigkeit in der Landwirtschaft fördern möchten. Mit unserer Tätigkeit und unseren Gärten möchten wir auf das Thema aufmerksam machen und weitere Züchtung von Open Source Saatgut anregen.

Um das Verständnis und das Wissen um Open Source Saatgut weiter in die Gesellschaft zu tragen und auch um miteinander zu lernen, war die Idee geboren zusammen zu gärtnern. Gemeinsam möchte Open Source Saatgut auch in Gemeinschaftsgärten gepflanzt weren, um so andere Gärtner*innen mit der Idee anzustecken. Der erste solcher Gärten entstand im "Allmende-Kontor" auf der "Tempelhofer Freiheit" in Berlin.

Wenn du jetzt Lust auf Gärtnern bekommen hast, dann schau dir an, wie du mitmachen kannst. Wir freuen uns über Mitstreiter*innen und unterstützen euch sowie möglich mit Ideen, Erfahrungen und Saatgut

nach obenzur Startseite